2. Sitzung Generationenkolleg "Alt und Jung im Handwerk" am 5. Dezember 2007


Es gilt das gesprochene Wort


H.-E. SchleyerSehr verehrte Kollegratsmitglieder, sehr geehrte Gäste,
ich heiße Sie herzlich willkommen im Haus des Deutschen Handwerks, hier am Gendarmenmarkt in Berlins Mitte. Es ist das zweite von vier geplanten Treffen, das uns zusammenführt.

Alt und Jung gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt, Unterstützung und im weitesten Sinne Wissenstransfer ist das Szenario vor dem sich unsere Gespräche, unser Erfahrungsaustausch abspielen. Auf der konstituierenden Sitzung im Juni des Jahres haben wir uns mit Patenschaftsmodellen auseinander gesetzt. Heute gilt unser Augenmerk vornehmlich dem Generationenwechsel. Wann gelingt der Generationenwechsel, welche Voraussetzungen müssen für einen erfolgreichen Wechsel gegeben sein? Fragen, die wir heute erörtern wollen. Doch eines ist gewiss: Ohne Nachwuchs, ohne ausreichende Fachkräfte, die von ihrem Handwerk begeistert sind, kann der Wechsel, die Fortführung eines Unternehmens nicht gelingen.

Patenschaften, die gleichermaßen leistungsschwache wie leistungsstarke Jugendliche auf ihrem Weg in und durch das Berufsleben begleiten, sind auch Wegbereiter und Transmissionsriemen für Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch.

Die duale Ausbildung hat sich in unserem Handwerk bewährt. Das Verhältnis Alt (= Ausbilder) zu Jung (= Lernender) ist im Großen und Ganzen unproblematisch. Welche Erfolge damit verbunden sind, haben auch in diesem Jahr die Anzahl der Ausbildungsplätze, der Praktische sowie der Internationale Leistungswettbewerb der Handwerksjugend gezeigt. Das sind qualitativ wie quantitativ vorzeigbare Erfolge. Die Juroren waren von der Leistungsbereitschaft, der Leistungsfähigkeit und dem Können des Nachwuchses begeistert. Dahinter stehen auch immer die Ausbilder, der Betrieb, die sich durch besonderes Engagement für die Ausbildung der Jugendlichen hervortun. So hat das Handwerk in diesem Jahr einen Betrieb für seine Leistungen ausgezeichnet, der mit sieben Angestellten zehn Lehrlinge ausbildet darunter benachteiligte Jugendliche und junge Menschen mit Migrationshintergrund. Dieser Meister ist nicht nur bester Ausbilder im Handwerk des Jahres 2007, sondern als Fahrzeugrestaurierer hat er sich auch dem Erhalt und der Weitergabe von Erfahrungswissen verschrieben: Seine Lehrlinge arbeiten ausschließlich an Fahrzeugen älter als 30 Jahre, da es sich um einen Betrieb zur Restaurierung von Oldtimern handelt.

Meine Damen und Herren,
das Projekt "Alt und Jung im Handwerk" gefördert aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung , das wir als Kollegrat begleiten, widmet sich dem Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen. Das Handwerk erwartet Hilfestellungen, Instrumente, eine Art Fahrplan, wie die Zusammenarbeit von Alt und Jung zum gegenseitigen Nutzen gestaltet werden kann. Es wird nicht ein Rezept geben können dafür sind die Konstellationen zu heterogen schließlich handelt es sich um Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Erwartungen, Erfahrungen und Befürchtungen in verschiedenen Lebensphasen. Eine Ausbildungspatenschaft ist anders zu moderieren, als die Vorbereitungen für einen Generationswechsel in der Führung eines Unternehmens.

Für einen Handwerksmeister ist die Betriebsübergabe eine besonders einschneidende Erfahrung, in dem Betrieb steckt sein Leben, es ist sein Lebenswerk. Mit der Betriebsübergabe verbindet er nicht nur finanzielle Aspekte, er ist emotional mit dem Unternehmen verbunden. Ein potentieller Nachfolger beurteilt die Werte des Unternehmens nach anderen Gesichtspunkten. Das Zusammenkommen von Alt und Jung folgt in dieser Situation anderen Regeln als bei Ausbildungspatenschaften.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
sowohl der Einstieg in den als auch der "Ausstieg" aus dem Beruf folgt spezifischen Regelungen. Gemeinsam ist beiden Situationen, dass sich der Alltag nachhaltig verändert. Die Perspektiven verschieben sich. Die Aufgaben wandeln sich. Es kann eine Lebenskrise sein. Das zu verhindern, dafür steht dieses Projekt. Alt und Jung helfen einander zu beiderseitigem Wohl, eine win-win-Situation.

Die Ergebnisse des Projektes müssen sich an ihrer Umsetzbarkeit, an ihrer Praktikabilität messen lassen. Wenn dieser Anspruch gehalten wird, dann wirkt die Initiative "Alt hilft Jung" über die unmittelbaren Partnerschaften hinaus und kann dazu beitragen, einen Mehrwert für die Gesellschaft und die Wirtschaft zu generieren.

Aus den Erfahrungen des Beraternetzwerkes der Handwerksorganisation wissen wir, dass die Übertragung von fachlichem, also handwerklichem Wissen und Fertigkeiten kein grundsätzliches Problem darstellt. Schwieriger gestaltet sich jedoch die Übertragung von unternehmerischen und sozialen Kompetenzen von Handwerkern auf die jüngere Generation. Doch gerade die Intensivierung des Wettbewerbs, von der das Handwerk ebenso wie andere Wirtschaftszweige betroffen ist, erfordert in zunehmendem Maße diese Kompetenzen sowohl bei den Betriebsinhabern als auch bei den Mitarbeitern. Die oft zitierte "Intuition" eines erfolgreichen Handwerkers zur Führung eines Betriebes ist in Wirklichkeit nichts anderes als marktorientiertes Management-Know-How und "Soft Skills", die idealerweise vor Abgabe des Unternehmens möglichst vollständig auf den Nachfolger zu übertragen sind.

Wir erhoffen uns daher vom Generationenkolleg insbesondere die Entwicklung geeigneter Übertragungstechniken für diese Kompetenzen.

Meine Damen und Herren,
ich wünsche uns einen erfolgreichen Tag und anregende Gespräche. Nutzen Sie die für heute Nachmittag geplanten Strategiegespräche für einen intensiven interdisziplinären Erfahrungsaustausch.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


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